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Ein Brief an alle, die es gut mit dem Kaktus meinen
Sehr geehrte Damen und Herren liebe Freundinnen und Freunde des „ Kaktus“
Vor 25 Jahren wurde der Verein „Kaktus“ Jugendwohngruppen im Kreis Aachen e. V. von einigen engagierten Sozialpädagogen gegründet und eine Jugendwohngruppe wurde eröffnet.
Zunächst in Herzogenrath-Kohlscheid beheimatet, zog es den „Kaktus“, nachdem sein Gebäude ausgebrannt war, nach Aachen, wo er nach einem Zwischenasyl bei Maria im Tann ein schönes Gebäude in der Königstraße fand.
Schon nach wenigen Jahren war das Haus viel zu klein und es gelang, von der Stadt das ehemalige Bundesgrenzschutzhaus in der Püngelerstraße 2 zu pachten, das vom Verein selber renoviert und für die Bedürfnisse einer Jugendwohngemeinschaft umgestaltet, heute zu einem Schmuckkästchen geworden ist.
Inzwischen hat sich das Angebot des Vereins vergrößert. Jetzt haben wir neben 9 Plätzen in der Wohngruppe, 2 Plätze im Betreuten Einzelwohnen in der Püngelerstraße 2. Die Flexiblen Hilfen für Jugendliche und Familien sind in der Franzstraße 107 untergebracht.
Anlass genug, zufrieden auf 25 Jahre Tätigkeit zurückzublicken. Also wäre ein Empfang fällig, bei dem wir uns alle freudig gratulieren und auf die Schulter klopfen würden, wie das so oft schon geschehen ist.
Diesmal haben wir uns aber zu einem anderen Verfahren entschlossen. Wir wollen keinen Empfang geben und das dadurch eingesparte Geld nutzen, um mit den von uns betreuten Jugendlichen und Familien Aktivitäten nach deren eigenen Wünschen durchzuführen. Sei es eine Ausflugsfahrt oder was immer unsere Jugendlichen sich schon lange gewünscht, aber nie bekommen haben.
Wir hoffen, dass Sie für unseren Beschluss Verständnis haben. Bitte bleiben Sie dem „Kaktus“ weiterhin gewogen, denn wir können jede Unterstützung bei der Arbeit mit unserer Jugendlichen und Familien sehr gut gebrauchen.
Mit freundlichen Grüßen Ihre Jugend - und Familienhilfeeinrichtungen „Kaktus“ - Hildgarde Lisse - Josef Bodden Vorsitzende stellvertretend für die Leitung
 - bitte das Bild anklicken zum Vergrößern!
Einkaufen, Kochen, Putzen: Wenn das Leben in der Familie nicht funktioniert
*„Kaktus“* kümmert sich seit 25 Jahren mit Wohnkonzepten um Jugendliche. Erst mit der Volljährigkeit ziehen die Schützlinge in die eigenen vier Wände um.
*Aachen. * Mit durchschnittlich 26 Jahren zieht der männliche Deutsche von zu Hause aus. In diesem Alter sind die meisten Menschen mit alltäglichen Dingen wie Einkaufen, Putzen und Kochen vertraut. Doch wie sieht es aus, wenn Kinder oder Jugendliche den elterlichen Haushalt frühzeitig verlassen müssen, sei es wegen der Situation innerhalb der Familie oder wegen ihres eigenen Verhaltens?
Seit 25 Jahren hilft die Jugendeinrichtung Kaktus e.V. Familien, die Schwierigkeiten bei der Erziehung ihrer Kinder oder bei der Bewältigung des Alltags haben. Kindern und Jugendlichen ab 14 Jahren stehen verschiedene Wohnkonzepte zur Verfügung, die ihnen ein eigenverantwortliches Leben vermitteln sollen. Anfangs in einer Wohngemeinschaft untergebracht, können sie nach einiger Zeit in eine Übungswohnung umziehen. Hier heißt es nicht nur selbst kochen und putzen, sondern auch wirtschaften. Mit einem bestimmten Etat ausgerüstet müssen die Jugendlichen selber entscheiden, für was sie das Geld ausgeben.
24 Stunden Betreuung „Auch Ausgehen ist bei Älteren kein Thema, solange wir wissen, dass wir uns auf sie verlassen können“, sagt Josef Karden, Leiter der Einrichtung. In der Regel verlassen die Jugendlichen mit 18 den Kaktus, um in einer eigenen Wohnung zu wohnen.
Wer mit wem zusammenwohnt, entscheiden die Betreuer, die sich in 24-Stunden-Schichten abwechseln. „Da kann es mal Ärger geben“, sagt Josef Karden. Striktes Rauch- und Alkoholverbot sowohl die Verpflichtung, zur Schule oder zur Ausbildungsstätte zu gehen, sind bei der Aufnahme absolut obligatorisch. „Die Kinder müssen sich auf das System einlassen“, erklärt die Vorsitzende Hildgarde Lisse, „sonst funktioniert es nicht.“
Immerhin 80 Prozent der Kaktus-Kids haben schon Erfahrungen mit Cannabis gemacht. „Harte Drogen und Essstörungen können woanders besser behandelt werden, auf solche Jugendliche wir nicht eingestellt.“ Statt einer großen Feier haben sich die Verantwortlichen zum 25-jährigen Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht.
„Mit dem Geld, das wir sparen, wollen wir unseren Kindern eine Freude machen“, sagt Hildegarde Lisse. „Jeder einzelne darf sich etwas aussuchen, das er noch nie oder schon lange nicht mehr gemacht hat.“ (sed
Quelle AZ 28.10.2010
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